Blick in die 2. Reihe – Nicht nur der Bergpark ist eine Reise wert

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© Aracuron’s Blog Foto: D.Hentschker

Ich habe ja vor einiger Zeit mal aufgerufen, Fotos aus Kassel zu senden um zu zeigen, das an Kassel nicht nur der Bergpark schön ist.
Einige Fotos habe ich bisher erhalten, nicht alle konnte ich in diesem Artikel verwenden, wieder andere die ich gerne hätte habe ich noch nicht zur Verfügung, ich habe mich daher entschieden, das ich eine kleine Artikelserie machen werde, von der dies nun der erste Teil sein soll.

Kassel wurde im 2. Weltkrieg flächendeckend zerstört und gehört damit zu den Städten, in denen ganze Stadtteile nach dem Krieg neu konzipiert und erbaut wurden, dennoch ist gerade Kassel voll von historischen Bauwerken, hauptsächlich des Barocks, sowie von weitläufigen Parks und kleinen Plätzen und Parks in den Stadtteilen.
Entlang der Fulda erstreckt sich mit der BuGa, dem alten Bundesgartenschau Gelände, ein von der Bevölkerung gern und vielfältig genutztes offenes Naherholungsgebiet, so das Kassel für eine Stadt ihrer Größe ungewöhnlich viel Natur zu bieten hat.
Alte Arbeitersiedlungen wurden teils in den 90er Jahren saniert und sind jetzt in gutem Zustand, mit Bäumen und Rasenflächen zwischen den Häusern und Kindern die unbeschwert auf den verkehrsberuhigten Strassen spielen können, während keine 100m entfernt, hinter einer weiteren Häuserzeile die Hauptstraße den Stadtteil ans Zentrum anbindet, die Häuserzeile selbst aber den Lärm der Hauptstraße abschirmt.

Kassel ist schön, Kassel hat Geschichte und Kultur, man muss nur die Augen öffnen um den Charme dieser Stadt zu erkennen, die viel mitgemacht hat, die sich noch immer sucht neu zu definieren, modern zu werden und trotzdem den alten Charme wiederzufinden.

1100 Jahre wird Kassel dieses Jahr alt und doch ist Kassel, durch seine Geschichte auch eine junge Stadt, große Teile der Industrie die früher in der Nordstadt angesiedelt war, gibt es nicht mehr, das Gelände der alten Henschelei ist heute der Hauptcampus der Universität Kassel, hier wurde die alte Bausubstanz saniert und neuen Zwecken zugeführt, die alten Militärkasernen an der Marbachshöhe entwickeln sich zu einem Stadtteil der durch Familien und Künstler geprägt wird, von
martialischer Schlichtheit militärischen Stils ist nichts mehr zu erkennen.

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© Aracuron’s Blog Foto: J.Mayerhofer

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© Aracuron’s Blog Foto: J.Mayerhofer

Am Königsplatz wurde viel gebaut und die neuen Gebäude passen sich architektonisch in den Königsplatz ein, wie es die „alten“ nach dem Krieg entstandenen, oder gar die ganz alten historischen vorgemacht hatten.
Altes wo noch vorhanden wird erhalten, oder rekonstruiert, neues am Grundkonzept des Platzes angelehnt, so das Stück für Stück wieder ein schlüssiges Ensemble entsteht und Bausünden der Vergangenheit durch neue, besser ins Konzept passende Gebäude ersetzt werden.
Der Königsplatz zeigt damit wie kaum eine andere Stelle in Kassel das die Stadt sich über die Jahrzehnte wandelt und doch sie selbst bleibt,

Welche Stadt hat das schon zu bieten?

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© Aracuron’s Blog Foto: J.Mayerhofer

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© Aracuron’s Blog Foto: J.Mayerhofer

Auf diesen Bildern sind verschiedene, alte und neue Gebäude rund um den Königsplatz zu sehen, der mit seiner kreisförmigen Anlage mitten im Zentrum den zentralen Punkt der Fußgängerzone bildet, die sich von hier in einer geraden Linie bis zum Rathaus hinauf, sowie in der anderen Richtung hinunter zum Stern erstreckt.
Die zentralen Tramlinien fahren zwar mit einem Schienenstrang je Richtung durch die Fußgängerzone, die Buslinien werden jedoch über paralelle Routen um die Fußgängerzone herum geleitet, so das ein Freiraum zum flanieren entsteht.

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© Aracuron’s Blog Foto: D.Hentschker

Mitten im Zentrum, modern und lebhaft und wenn man auch nur eine Seitenstraße weitergeht den Charme des Barock?

Friedrichsplatz, Orangerie, Karlsaue und wenn man des wanderns dann müde ist, sind es nur noch wenige Schritte ins Naherholungsgebiet der BuGa.

In der Nähe befindet sich dann auch das Messegelände, wo die Handballer der MT Melsungen spielen, oder ein Stück einwärts das Auestadion, Heimat des KSV Hessen Kassel, sowie die Eissporthalle der Kassel Huskies.

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© Aracuron’s Blog Foto: D.Hentschker

Auch bei den Museen ist Kassel vielfältig bestückt und hat einiges zu bieten, wer sich jedoch lieber im freien mit der Geschichte beschäftigt, der findet in der Nähe des Hauptbahnhofes den Philip Scheidemann Platz und kann sich von wissenden gerne erzählen lassen, das dieser als Autor eine Pseudonym verwendete, Henner Pfiffendeckel, nach dem wiederum ein weiterer Platz in der Kasseler Nordstadt benannt ist, dem gegenüber wiederum das Stadtteilzentrum liegt, welches wiederum Phillip Scheidemann Haus benannt ist.

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© Aracuron’s Blog Foto: D.Hentschker

Aber auch in der Innenstadt gibt es reichlich historische Bausubstanz,
Nicht weit vom oben gezeigten Naturkundemuseum entfernt, befinden sich der der Zwehrener Turm, einer der wenigen erhaltenen Stadtbefestigungen, auch die alte Markthalle, die Martinskirche und der ebenfalls erhaltene, architektonisch jedoch einer anderen Epoche entspringende Druselturm befinden sich hier im näheren Umfeld.
Eine moderne Achse in der Innenstadt, in der fast alles nach dem Krieg entstanden ist und schon eine Nebenstraße entfernt eine Achse entlang derer man viele der Reste des alten Kassels entdecken kann, dadurch ist Kassel abwechslungsreich und interessant, man kann sich in der modernen Fußgängerzone aufhalten, oder, wenige Meter entfernt, ein historisches Gebäude nach dem anderen entdecken, quasi auf eine Zeitreise gehen und erahnen, was Kassel früher für eine Stadt war, ihre Geschichte, lang und vielfältig wie sie ist, bleibt präsent, ohne das Kassel in ihr gefangen wäre.

Manche Städte haben ganze historische Stadtviertel, oder sind komplett durchgeplant und modernisiert, Kassel ist da anders, hier wechselt das alte sich mit dem neuen ab, ergänzt sich und erlaubt einem Entdeckungen.

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© Aracuron’s Blog Foto: D.Hentschker

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© Aracuron’s Blog Foto: D.Hentschker

So gibt es vieles in Kassel zu entdecken, auf diesen Bildern zum Beispiel unter anderem die historische Markthalle, sowie die Martinskirche.

Aber auch in der modernen Geschichte hat Kassel einiges zu bieten, das durchaus sehenswert ist, so gehört zur Fußgängerzone nicht nur die obere Königsstraße, sondern auch die Treppenstraße.

Durch diese wird der Hauptbahnhof mit der Innenstadt verbunden und Kassel hatte sich mit diesen beiden Bereichen einstmals zu rühmen, die erste Fußgängerzone der Republik zu besitzen.

Die einzige in Deutschland ist die Fußgängerzone nicht mehr, dennoch lädt sie noch immer ein zu verweilen, neben Einkaufsmöglichkeiten gibt es zahlreiche gastronomische Angebote und mehrere Galerien mit einer Vielzahl von Läden machen die obere Königsstraße zum ersten Anlaufpunkt in Kassel sowohl wenn man etwas bestimmtes sucht, als auch für eine ungezielte Shopping Tour.

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© Aracuron’s Blog Foto: D.Hentschker

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© Aracuron’s Blog Foto: D.Hentschker

Nicht alles ist aber modern in der oberen Königsstraße, ihren Abschluss bildet das historische Rathaus Kassels, das seiner ausladenden Größe geschuldet, kaum auf ein einzelnes Foto zu bekommen ist.
Dennoch ist es ebenfalls einen Blick wert und hier nur teilweise zu sehen, Links ist der zentrale Hauptbau zu sehen und rechts einer der beiden goldenen Löwen, die diesen gleichsam bewachen und dabei ein Wappen halten.

Im Hintergrund ist einer der beiden Seitenflügel zu erkennen, der zusammen mit seinem Gegenstück den Rathaus vorplatz u-förmig umfasst.

Zugleich ein weiterer Punkt um Geschichte zu erkennen bildet dieser Platz selbst, denn den Blicken fast verborgen, gibt es vor dem Rathaus einen in die Tiefe verlegten Brunnen, über den man leicht achtlos hinübergeht und hinweg sieht.
Dies aber ist der Fehler, den wir heutzutage mit all zu vielem machen, denn wer genauer hinsieht, sieht das der Brunnen in Form und Größe in die Tiefe gebaut ist, so wie der originale Brunnen in die Höhe strebte.

Warum die Invertierung?
Der originale Brunnen stammte von einem jüdischen Künstler und wurde von den Nationalsozialisten zerstört, der neue erinnert daran, aber nicht indem er den alten rekonstruiert, sondern indem er durch die umkehr der Richtung, in die tiefe gelegt, nahezu provoziert, das der Blick durch das Rathaus nach oben gelenkt, darüber hinweg sieht, erinnert der Brunnen nicht nur an die Geschichte, sondern mahnt uns zugleich, das wir im Leben all zu oft, gerade durch die Absicht, den Blick auf das wichtige zu heben, über das wirklich wichtige hinwegsehen.

Einige namhafte Stellen Kassels habe ich in meinem Artikel jetzt genannt, aber mindestens eben so viele habe ich mit Sicherheit ungenannt gelassen, dies bedeutet keineswegs, das sie weniger Wichtig, oder nennenswert sind, jedoch denke ich, das man eine Stadt wie Kassel, mit ihrem Charme, ihrer Geschichte und auch ihren Fehltritten, nicht in wenigen Zeilen erfassen kann.

Ich habe mich entschieden, statt eines Artikels eine Reihe von Artikeln zu schreiben, da alles was Kassel zu bieten hat unmöglich in einem Artikel zu beschreiben ist.
Daher wird es einen 2. Teil dieses Artikels geben wobei ich beim 2. Teil den Fokus gerne auf die Parks und die Natur in und um Kassels Zentrum legen würde, gerne gilt auch weiterhin der Aufruf, mir Bilder von den schönen Ecken Kassels zur Verfügung zu stellen, da ich alleine unmöglich alle Ecken sehen und besuchen kann die Kassel schön machen, dafür gibt es zu viele.

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2 Gedanken zu “Blick in die 2. Reihe – Nicht nur der Bergpark ist eine Reise wert

  1. Das hast du wunderschön beschrieben!
    Der Artikel hat mir richtig schön beschreiben können, wie Kassel so ist. Okay ja…einige werden jetzt denken, wieso? Aber ich sage Euch, die ihr das gerade liest, selbst als „alte“ Kasselerin und da ich seit 1990 in der Stadt lebe, identifiziere ich mich mehr mit Kassel als mit meiner H eimatstadt Eschwege,hat mir Aracurons Artikel noch einiges beigebracht.

    Ich bin selbst auch schon so oft über den Rathausvorplatz gelaufen ohne auf die kleinen „Kleinigkeiten“ zu achten…den besagten Brunnen kenne ich auch gut, seine Geschichte nicht. Das ist aber auch heutzutage oft der Fehler der Gesellschaft. Unsere Großeltern, die den Krieg damals noch mitbekommen haben (je nach Jahrgang) können es uns nicht mehr sagen, unsere Eltern gehören oftmals schon der Nachkriegsgeneration an und wir, ihre Kinder, die wir in den 70den und 80ern und später geboren wurden wissen nicht mehr an wen (außer Wikipedia) wir uns wenden können.

    Ich werde deine Serie auch weiterhin beobachten und unterstützen, da mir selbst auch noch was beigebracht werden kann.

    Liebe Grüße
    Jenny

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    • Hehe,
      So dürfte es vielen gehen, ich kannte die Geschichte auch nicht, bis ich durch einen Geocache drauf gestossen wurde, wie du richtig schreibst, unsere Großeltern haben den Krieg erlebt, unsere Eltern teils auch noch haben das Land wieder aufgebaut und die heutige Generation, hat die Aufgabe, die Geschichte zu bewahren, dabei ist egal ob es eine angenehme ist oder nicht.
      Erinnern sollten wir uns, nicht leichtfertig drüber wegblicken, ebenso wette ich mit dir, das 70% und mehr aller Kasseler Gymnasialschüler nicht wissen wer „Henner Pfiffendeckel“ war.
      Allerdings wette ich mit dir, das jede, ach kleinere Stadt wie deine Geburtsstadt, solche kleine Anekdoten zu bieten hat, man muss sie nur wahrnehmen.
      Ich jedenfalls habe durch die Suche nach Motiven für diesen Artikel und die damit einhergehende Recherche durchaus gemerkt, das mein Blickwinkel sich verändert hat. Das ich Kassel neu entdeckt habe obwohl ich auch schon seit über einem Jahrzehnt hier lebe.

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